Lebensgeschichten I Max Werdenberg

«Mein Urgrossvater trug ihre Geburt ein – ich ihren Tod.»

Seiner Faszination für die Riegelhäuser in Allschwil verdankt Max Werdenberg seinen Übernamen «der Dorfhistoriker».

«Ich bin in Allschwil aufgewachsen, wo das Geschlecht Werdenberg bereits 1404 erstmals erwähnt wurde. Nach der Schule lernte ich Möbelschreiner und erhielt eine tolle Lehrstelle bei der Firma Hofstetter an der Malzgasse. Wir spezialisierten uns auf gepflegten Innenausbau sowie Biedermeier- und Barockmöbel. «In unserer Familie war der Militärdienst Tradition. Mein Vater war Gefreiter und leistete Aktivdienst im Zweiten Weltkrieg. Obwohl ich zuerst nicht wollte, trat ich in die Rekrutenschule ein. Bald erhielt ich Führungsaufgaben und wurde später Korporal und Offizier. Besonders prägend war die Zeit unter Kompanie-Kommandant Oberst Jeanmaire, der dann später in den 70-Jahren in den Schlagzeilen stand.

«Eines Tages fuhr ich spontan mit dem Velo von Basel nach Liestal ins Zeughaus, um nach einer Stelle zu fragen. Ich bekam eine Arbeit als Möbelschreiner, begann aber mit dem Toilettenputzen. Erst später wurde mir klar: Das war ein Test.

Nach vier Monaten erhielt ich eine Festanstellung und blieb zehn Jahre bis 1971. Danach folgte ein Stellenwechsel nach Allschwil als Sektionschef, wo ich bis 1986 arbeitete. Im Militär habe ich gelernt, Leute zu führen und zu organisieren. Ich behandelte die Menschen immer mit Respekt und auf Augenhöhe. Die Gemeinde suchte kurzfristig einen Zivilstandbeamten-Stellvertreter. Auch diesen Job übernahm ich gerne. Erstaunlich war mein erster Eintrag: Der Todesfall einer 101-jährigen Frau, deren Geburt einst mein Urgrossvater registriert hatte.

«Schon als Bub war ich beim FC Allschwil, spielte aber selber nie Fussball. Ich durfte von zu Hause aus nicht mitspielen, war aber stets im Verein aktiv. Auch mit der Basler Fasnacht war ich immer eng verbunden. Den ersten Cortège und Morgestraich erlebte ich 1946.

Meine Frau lernte ich in einer Arztpraxis kennen. Sie war Arztgehilfin. Meist gingen wir Freitags ins Zollirestaurant und danach ins Kino und am Sonntag habe ich sie zum Tanzen ausgeführt. Damals im Astoria an der Freie Strasse. Es war eine sehr schöne Zeit. Wir waren 56 Jahre verheiratet.»

 

Beine und Schuhe eines älteren Mann
Lebensgeschichten Bajour
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